Im Folgenden finden Sie einige didaktische Anregungen, welche sich im Verlaufe meiner Unterrichtspraxis als nützlich erwiesen haben. Neben Planungshilfen findet man auch Vorschläge zum Überdenken des eigenen Unterrichts. Die entsprechenden Erläuterungen lassen sich bequem als PDF herunterladen.
Mein didaktisches Dreieck
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Das von Ruth Cohn ab 1956 entwickelte didaktische Dreieck beschreibt die grundsätzliche Abhängigkeit der drei Komponenten Lehrperson - SchülerInnen - Sachthema. Die Wechselwirkung dieser drei Komponenten zeigt sich beim Lehren und Lernen und ist auch bei der Unterrichtsplanung im Auge zu behalten. Das von mir entwickelte Dreieck steht dazu nicht in Konkurrenz, sondern weist in eine andere Richtung. Es erinnert mich bei der Vorbereitung eines Themas daran, 7 wichtige Aspekte zu berücksichtigen und mir einige folgenschwere Fragen zu stellen.
PDF: Mein didaktisches Dreieck
PDF: Figur des didaktischen Dreiecks
Das EWR-Prinzip nach Herget
In einem denkwürdigen Vortrag in Berlin am 28. März 2007 anlässlich der gemeinsamen Tagung von GDM und DMV hat Wilfried Herget drei Forderungen für den Unterricht gestellt. Sie heissen stichwortartig:
einfacher, weniger und
regelmässiger. Im Folgenden nenne ich dies auf Grund der Anfangsbuchstaben das
EWR-Prinzip nach Herget.
Obwohl das Prinzip bei mir offene Türen eingerannt hat, traf mich der Vortrag dennoch wie ein Blitzschlag. So eingängig und so ehrlich muss man Ideen verkaufen. Eine eigene Interpretation der drei Begriffe gebe ich im folgenden PDF und ich beleuchte sie mit einigen Beispielen.
PDF: EWR-Prinzip nach Herget
Das etwas andere EWR-Prinzip
Im Verlauf meiner Lehrtätigkeit haben sich drei besonders wichtige Merkmale für eine Lehrperson herausgeschält: Erfahrung, Wertschätzung und Rückhalt.
Erfahrung
Ohne eine fundierte Kenntnis der Inhalte und Methoden des eigenen Faches steht die Lehrperson auf verlorenem Posten. Es genügt in der Tat nicht, den Schülerinnen und Schülern eine Lektion voraus zu sein. Die Fragen Worum geht es in meinem Fach? und Was ist wichtig (fundamentale Ideen!)? sollten im Laufe der Unterrichtsjahre beantwortet werden. Ein exzellenter "Verkäufer" der Angebote wird aber nur derjenige, welcher stetig an seinen didaktischen und methodischen Fähigkeiten arbeitet. Glücklich, wer diesbezüglich bereits in seiner Ausbildung einen Grundstock mitbekommen hat. Für die Mathematik gilt besonders: Erfahrungen im Problemlösen sammeln und nochmals: Erfahrungen im Problemlösen sammeln!
Wertschätzung
Gegenseitige Wertschätzung muss das Klima im Schulzimmer und weit darüber hinaus bestimmen. Man wird vergeblich nach Lernerfolgen suchen, wenn der Boden des Vertrauens am Austrocknen ist. Mut machen, heisst die Devise (übrigens auch in Lehrerfortbildungen...). Wertschätzung bedeutet insbesondere: Schülerarbeiten ernsthaft nach besprochenen Kriterien beurteilen; alle in der Klasse gerecht behandeln; während den Lektionen alle mit einbeziehen und die Probleme sorgfältig angehen.
Rückhalt
Den wichtigsten Rückhalt bildet eine solide Weltanschaung. Daraus gewinnt man Kraft für seine tägliche Aufgabe. Eltern, Kollegen und eine Schulleitung, welche die Arbeit mittragen, können eine erhebliche Stütze sein. Leider sind Missgunst und Brotneid unter Kollegen weit verbreitet. Lieber erfindet jeder das Rad immer wieder neu, anstatt Synergien zu nutzen. In der Volksmeinung halten sich hartnäckig Gerüchte vom Lehrerberuf als Ferienjob. Gerne erlaube ich mir an dieser Stelle, allen Kolleginnen und Kollegen ein Kränzlein zu winden, welche ihren schönen und wichtigen Beruf ernst nehmen und sich voll dafür einsetzen. Dies ist gottlob keine aussterbende Rasse. Selbstverständlich kann man auch Parteiprogramme zur Bildung und Erziehung als Rückhalt bezeichnen, sofern sie nicht nur zu wahltechnischer Propaganda missbraucht werden.
Was für mich zählt
Eine Übersicht mit Folgen (für mich).
Der Blick in die Bildungspolitik der letzten Jahre zeigt ein recht bedenkliches Bild. Die oft am grünen Tisch entwickelten Bildungssysteme streben nach immer grösserer Komplexität (Wahlmöglichkeiten, Klassen-Splitting, Notengewichtung, Ergänzungsfächer, Europatauglichkeit, Mobilität usw.). Dabei wird die Lehrerschaft von einer Reform in die andere gejagt, werden mühsam Standards erarbeitet und wird die Qualität gesichert. Ach ja: und gespart werden muss auch noch. Was weitgehendauf der Strecke bleibt, ist die Verbesserung des Lehrens und die Unterstützung bei der Begleitung der Schülerinnen und Schüler in einer wichtigen Lebensphase.
Wer Qualität sichern will, muss zuerst wissen, was er sichert. Der Eindruck bleibt, dass es nicht so sehr um das Wohl der Jugend, als vielmehr um die Legitimation des eigenen politischen Sessels geht. Es ist leider eine Frucht unseres demokratischen Systems, dass oft jene mit einem falschen oder zu kleinen Rucksack an den Schalthebeln stehen.
Was hilft? Vielleicht die Besinnung auf folgende Punkte:
Zurück zur Einfachheit (weniger Wahlmöglichkeiten; verbindliches Grundgerüst; Fächerkonzentration).
Besinnung auf die fundamentalen Ideen in jedem Fach (worum geht es? was ist wichtig?) Für die Fächer Mathematik und Informatik habe ich fundamentale Ideen zusammengetragen. Weshalb geschieht in andern Fächern so wenig in dieser Beziehung?
Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften verbessern.
Fördern durch Fordern (das Gymnasium ist kein Wartsaal, sondern eine Intensivstation!).
"Futter für alle": besondere Unterstützung nicht nur für die willigen schlechteren Schülerinnen und Schüler, sondern ebenso für die guten.
Vermehrtes Nutzen von Synergien innerhalb der Lehrerschaft einer Schule (Brotneid ade; Austausch von Kenntnissen; gegenseitige Wertschätzung und Förderung).
"Das Interesse an harten Fächern wie Mathe und Naturwissenschaften ist gering." (Dorit Bosse, Philologin, Uni Würzburg; Tagung an der HSG am 17.2.2007)
Wer baut an diesem Image? Grosse Anstrengungen im Lernenlernen auf Schülerseite und im Lehrenlernen auf Lehrerseite sind nötig. Gerade auch in diesen Fächern werden wichtige Fähigkeiten, welche für den modernen Menschen bedeutungsvoll sind, vermittelt. Das MAR hat die Naturwissenschaften sträflich vernachlässigt. Der Bumerang ist bereits zurück.
Ich plädiere für "Frühdeutsch" in der Primarschule als einzige "Fremdsprache". Ein Blick in die Internetforen und die schriftlichen Arbeiten aller Altersstufen reicht völlig aus, um den Notstand festzustellen. Entschuldigung: Ich habe vergessen, dass der eigentliche Lebenssinn nur darin besteht, Spass (Fun) zu haben...
Tabus
In Anspielung auf Kant's 'Kritik der reinen Vernunft' gilt es, hin und wieder Grenzen zu sprengen und 'Tabus zu brechen'. Alte Vorurteile und Behauptungen 'vom Hören sagen' sind schlechte Lehrmeister. Mache ich etwas, weil ich es schon immer so gemacht habe? Urteile ich erst, wenn ich mich selbst davon überzeugt habe? Bin ich bereit, eigene (vielleicht unbequeme) Wege zu gehen?
PDF: aufgelistete Tabus
10 Gebote für Lehrpersonen
Georg Polya fasst in seinem Buch
Vom Lösen mathematischer Aufgaben, Band 2 zehn Aspekte des "Lehrerseins" zusammen. Damit ist alles Wichtige gesagt.
PDF: 10 Gebote
4 Regeln für den richtigen Vernunftgebrauch
René Descartes formuliert 4 Regeln, welche ihn stets bei seinen wissenschaftlichen Forschungen begleitet haben. Dies wäre etwas für Politiker, Wissenschaftler (insbesondere Theologen) usw.
PDF: 4 Regeln